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Geburt aus Feuer und Staub – der Atem des Orion

  • Writer: Walter Rekirsch
    Walter Rekirsch
  • 1 day ago
  • 3 min read

Was wir hier sehen, ist kein einzelner Nebel, kein isoliertes Objekt – es ist ein kosmischer Zusammenhang.


Sony A7III (klarglas modifiziert) | Samyang 35mm auf F2 | 100x 10s | ISO 640 | STC Nightscape Filter
Sony A7III (klarglas modifiziert) | Samyang 35mm auf F2 | 100x 10s | ISO 640 | STC Nightscape Filter

Ein pulsierendes Geflecht aus Wasserstoff, Sauerstoff und Schwefel, gespannt über Hunderte Lichtjahre, eingefroren in einem einzigen Augenblick menschlicher Zeit.


Tief im Herzen des Orion lodern gewaltige Energien.H-Alpha zeichnet die warmen, organischen Strukturen der Sternentstehung – sanft magentafarben, fast lebendig.Schwefel legt sich schwer und dunkel darüber, ein uraltes Echo vergangener Explosionen.Stickstoff wärmt die Übergänge, verbindet Chaos und Ordnung.Türkises O III durchschneidet das Rot wie kaltes Sternenlicht, während H-Beta die feinsten, fast flüchtigen Details sichtbar macht – kühl, klar, fern.


Die ikonischen Sterne des Orion leuchten nicht einfach – sie durchdringen den Nebel.Alnitak, Alnilam und Mintaka wirken wie kosmische Leuchttürme, deren Strahlung die umgebenden Gaswolken formt, zerreißt und zugleich neues Leben vorbereitet.Jede Farbe erzählt eine andere physikalische Geschichte – jede Struktur ist das Ergebnis von Millionen Jahren Dynamik, Druck und Gravitation.


Durch das bewusste Trennen von Sternen und Nebel wurde der Blick frei:frei für Tiefe, für Kontraste, für eine Bildsprache, die nicht dem Zufall folgt, sondern der Kontrolle.Jede Farbebene ist gezielt gesetzt, jede Nuance bewusst geformt – nicht um zu verfremden, sondern um sichtbar zu machen, was dort wirklich geschieht.


Dieses Bild ist kein Abbild des Nachthimmels, wie ihn das Auge sieht.Es ist eine Übersetzung.Eine Offenlegung der verborgenen Prozesse, die im Stillen ablaufen – jenseits von Zeit, jenseits von menschlicher Vorstellungskraft.


Ein Ausschnitt aus dem Orion.

Und doch: ein Blick auf den Ursprung von allem.


Technik & Aufnahme

Aufgenommen wurde dieser Ausschnitt des Orion mit einer klarglas-modifizierten Sony A7III, die speziell für die Astrofotografie ihr volles Potenzial im roten Spektralbereich entfalten kann.Als Optik kam das Samyang 35 mm f/2.0 zum Einsatz – offenblendig bei f/2.0, um maximale Lichtausbeute und feinste Nebelstrukturen einzufangen.


Ergänzt wurde das Setup durch einen STC Nightscape Filter, der gezielt künstliche Lichtemissionen (insbesondere Natrium- und Quecksilberdampflampen) reduziert, ohne die natürlichen Emissionslinien der Nebel zu beeinträchtigen. In Kombination mit der klarglas-modifizierten Kamera sorgt der Filter bereits im Rohmaterial für einen dunkleren Himmelshintergrund, besseren Kontrast und eine klarere Trennung zwischen Nebel und Hintergrund – eine entscheidende Grundlage für die spätere Schmalbandverarbeitung.


Trotz fehlender Nachführung wurde bewusst auf kurze Einzelbelichtungen gesetzt: 10 Sekunden pro Frame, insgesamt 100 Einzelaufnahmen, bei ISO 640. Diese Methode erlaubt es, auch ohne Tracking eine hohe Detailtiefe zu erreichen, ohne Sternabbildungen unnötig zu verziehen oder das Seeing übermäßig zu mitteln.


Die Rohdaten wurden in AstroPixelProcessor unter Verwendung von Bias- und Flatframes präzise kalibriert und gestackt. Dadurch entsteht ein sauberes, rauscharmes Ausgangsmaterial mit hohem Dynamikumfang – die Grundlage für die differenzierte Weiterverarbeitung der einzelnen Emissionslinien.


Bildbearbeitung & Farbkonstruktion

Die eigentliche Bildsprache entstand in mehreren, bewusst getrennten Schritten.


Um farbige, natürliche Sterne zu erhalten, wurde zunächst ein RGB-Stack mit dem NB-Color-Algorithmus erzeugt. Dieser Durchgang dient ausschließlich der Sternfarbinformation.

In einem zweiten Schritt wurden die schmalbandigen Signale H-Alpha, H-Beta, [S II], [O III] und [N II] getrennt als Schwarzweiß-Stacks mit dem klassischen NB-Algorithmus verarbeitet.


So entsteht volle Kontrolle über jede physikalische Emissionslinie – frei von gegenseitiger Beeinflussung.


Die finale Komposition erfolgte in Adobe Photoshop. Mithilfe von StarXTerminator wurden Sterne und Nebel konsequent voneinander getrennt:

Die Sterne aus der RGB-Aufnahme isoliert, der Nebel als reine Emissionsstruktur weiterentwickelt.


Jeder Emissionslinie wurde anschließend eine gezielte Farbzuweisung gegeben:

  • H-Alpha (Ha) – 356° | leicht magenta, natürlich und organisch

  • [S II] – 0° | tiefes, schweres Rot

  • [N II] – 6° | wärmer als Ha, verbindend

  • [O III] – 190° | klassisches Türkis

  • H-Beta (Hb) – 205° | kühl, bläulich, feinzeichnend


Durch diese Vorgehensweise entsteht keine künstliche Falschfarbe, sondern eine kontrollierte, physikalisch motivierte Farbinterpretation.Kontraste, Übergänge und Tiefe lassen sich gezielt herausarbeiten – jede Farbe erzählt ihre eigene Geschichte, ohne die anderen zu überdecken.


 
 
 

1 Comment


Erwin Gastinger
Erwin Gastinger
a day ago

Sehr schöne Aufnahme. Die Technik der Aufnahme und die Bildverarbeitung sind sehr gut erklärt.

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